Strychnin Intoxikation bei Hunden in Weingarten

Dr. Kerstin Saenger (CVUA Karlsruhe), Sylvia Scanlan Sierra (CVUA Freiburg)

 

 

Gegen Ende Februar 2013 wurden 2 adulte Hunde vom Polizeipräsidium Karlsruhe und dem zuständigen Bild zu Strychnin-IntoxikationVeterinäramt zur Abklärung der Todesursache insbesondere im Hinblick auf eine Intoxikation an das CVUA Karlsruhe eingesandt.


Laut Vorbericht waren die Hunde zuvor unabhängig voneinander in einem Industriegebiet bei Weingarten ausgeführt worden. Innerhalb kurzer Zeit entwickelten die Tiere Krampfleiden und verstarben in einer ortsansässigen Tierklinik an einem akuten Herz- und Kreislaufversagen.


Am CVUA Karlsruhe erfolgten routinemäßig pathologisch-anatomische, histologische und mikrobiologische Untersuchungen der Hunde. Anhand dieser war eine grund¬legende Erkrankungsursache nicht nachweisbar. Zur Abklärung der im Vorbericht erwähnten klinischen Symptome wurden asservierte Leber- und Mageninhaltproben an das Labor für Veterinärtoxikologie des CVUA Freiburg weitergeleitet.


Die toxikologischen Analysen ergaben einen eindeutigen Strychnin-Nachweis aus dem Mageninhalt beider Tiere. Im Mageninhalt eines Hundes wurden zusätzlich noch drei weitere, toxikologisch relevante, Substanzen festgestellt. Hierbei handelte es sich um sog. Cumarinderivate aus der Gruppe der Rodentizide (Substanzen zur Bekämpfung von Nagetieren). Diese Substanzen wirken über eine Störung der Blutgerinnung. Aufgrund der Symptomatik und der pathologisch anatomischen Befunde führte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Strychnin-Intoxikation zum Tod der Tiere.


Der Einsatz von Strychnin zur Schädlingsbekämpfung ist seit längerer Zeit auch EU-weit verboten. Trotzdem wird Strychnin gelegentlich illegal gegen Vögel, Nager, Füchse oder andere Wildtiere verwendet. Sekundärvergiftungen durch Aufnahme von strychninvergifteten Vögeln oder Ratten sind bei Hund und Katze möglich.


Erste Symptome einer Strychninvergiftung können bereits nach 10 min auftreten. Die Tiere zeigen eine verstärkte Unruhe, Erregung, Ataxie, Tremor, Hyperthermie, Streckkrämpfe sowie weit aufgerissene Augen. Letztendlich können Koma und Atemstillstand eintreten.


Für die Region Weingarten wird empfohlen Hunde an der Leine zu führen, um die Aufnahme von Fraßködern zu vermeiden. Bei Anzeichen einer Vergiftung ihres Hundes suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf. Zur Abklärung einer toxikologischen Untersuchung aufgefundener Fraßköder wenden Sie sich bitte an die Mitarbeiter der zuständigen Polizeidienststelle oder des Veterinäramtes.

 

 

Bericht erschienen am 20.03.2013 11:01:42