Tabak und Tabakerzeugnisse

Foto: Abrauchmaschine.Die Tabakpflanze (Nicotiana) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), der unter anderem auch die Tomate, die Kartoffel und die Tollkirsche angehören. Sie gelangte mit der Entdeckung Amerikas in die damals bekannte Welt. Durch den französischen Gesandten Jean Nicot wurde der Tabak als Heilpflanze in Frankreich eingeführt. Nach ihm wurde später der wichtigste Inhaltsstoff Nikotin benannt. Bis ins 17. Jahrhundert hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze in der Augenheilkunde. Das Alkaloid Nikotin wird in den Wurzeln der Tabakpflanze gebildet und in den Blättern eingelagert, wo es der Abwehr von Insektenfraß dient.

 

Die heutige hohe wirtschaftliche Bedeutung des Tabaks kommt durch folgende Zahlen zum Ausdruck:
Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im Jahr 2006 Tabakwaren mit einem Verkaufswert von 23,1 Milliarden Euro versteuert. Die Menge der versteuerten Zigaretten lag im selben Jahr bei 93 Milliarden Stück. Die Tabaksteuer ist nach der Mineralölsteuer die ertragsreichste Verbrauchssteuer.

Die amtliche Überwachung von Tabakerzeugnissen erfolgt in Baden-Württemberg zentral für alle vier Regierungsbezirke im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen. Dort werden sie auf ihre Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben überprüft. Darüber hinaus werden hier Zigarettenproben im Rahmen der amtlichen Überwachung für Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland analysiert.

 

Der Schwerpunkt der Überprüfung liegt in der Bestimmung der Rauchinhaltsstoffe Nikotin, Kondensat und Kohlenmonoxid. Dazu werden die Zigaretten zunächst an einer analytischen Rauchmaschine gemäß einer speziellen ISO-Norm abgeraucht. Kondensat und Nikotin werden aus dem Rauch abgetrennt und anschließend quantitativ bestimmt; das gasförmige Kohlenmonoxid wird in einem Gasbeutel aufgefangen und analysiert.
Neben diesen Parametern werden noch weitere toxikologisch relevante Substanzen im Hauptstromrauch bestimmt, z.B.

  • Formaldehyd, Acrolein, Acetaldehyd,
  • 1,3 Butadien, Isopren, Benzol,
  • tabakspezifische Nitrosamine,
  • Benzo(a)pyren.

 

Neben Tabak enthalten Zigaretten auch eine Vielzahl an Zusatzstoffen, die z.B. das Aroma des Rauches oder das Brennverhalten des Tabaks beeinflussen.
Die Tabakverordnung regelt im Detail die Verwendung von Zusatzstoffen für Zigaretten. Sie gibt vor, welche Zusatzstoffe erlaubt sind und in welcher Menge sie zugesetzt werden dürfen.
National kommen bis zu 500 Zusatzstoffe bei der Herstellung von Tabakerzeugnissen zur Anwendung. Dazu zählen Einzelsubstanzen wie z.B. Glycerin, Menthol, Vanillin, Benzoesäure, aber auch komplexe Gemische wie Aromen, Gewürze, Honig, Kakao, Whisky, Kakao und Zuckerstoffe.
Die Tabakmischungen werden auf derartige Zusätze, aber auch z.B. auf Substanzen mit einer suchtverstärkenden Wirkung überprüft.

Beim Verbrennungsprozess entsteht aus den zugesetzten Stoffen eine Vielzahl von eventuell auch gesundheitsschädlichen Substanzen. Da diese zusätzlich zu den Pyrolyseprodukten des Tabaks gebildet werden, ist ein zusätzliches Risiko beim Rauchen durch die Zusatzstoffe nicht auszuschließen.
Seit November 2002 wird von den Herstellern und Importeuren von Tabakerzeugnissen die Angabe der Zusatzstoffe in Tabakprodukten und - sofern vorhanden - deren toxikologische Bewertung gefordert. Die analytische Überprüfung dieser Angaben zählt ebenfalls zu den Aufgaben des CVUA Sigmaringen.

 

 

Autor(en): Jürgen Hahn (CVUA Sigmaringen)