Tabakerhitzer: Das Risiko bleibt bestehen

Hai Linh Trieu, Jürgen Hahn

 

In Deutschland ist mit IQOS von Philip Morris International (PMI) der erste Tabakerhitzer auf dem Markt. Anders als bei E-Zigaretten erhitzt das batteriebetriebene System keine flüssige Mischung aus Propylenglykol, Glyzerin und Nikotin. Stattdessen werden Tabakstifte auf bis zu 350 Grad Celsius erhitzt. Das nikotinhaltige Tabak-Aerosol wird über ein Mundstück inhaliert.

 

 

IQOS

  Bildquelle: IQOS - CVUA Sigmaringen

 

 

Zu diesen Produkten liegen sehr wenige industrieunabhängige Studien vor. In Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen Untersuchungen durchgeführt, um die publizierten Daten des Herstellers kritisch zu prüfen.

 

Bisher liegen Ergebnisse für die Substanzklassen der Carbonyle wie z.B. Formaldehyd und der leicht flüchtigen Verbindungen wie z.B. Benzol vor. Die Messungen haben ergeben, dass die Emissionen dieser Carbonylverbindungen um 80 bis 90 Prozent und die der leicht flüchtigen Verbindungen um über 90 % im Vergleich zu handelsüblichen Zigaretten reduziert sind.

Aus Gründen des Gesundheitsschutzes sollte Nikotin auf einem gleichmäßigen Niveau abgegeben werden. Die Nikotinabgabe in den ersten drei Zügen der Tabaksticks war jedoch deutlich niedriger als in den restlichen Zügen. Die Risikobewertung der Nikotinabgabe muss noch durchgeführt werden.

 

 

 IQOS

 Querschnitt Tabakstick - Bildquelle: CVUA Sigmaringen

 

 

Es kann bestätigt werde, dass für die zwei genannten Substanzgruppen bei Tabakerhitzern eine erhebliche Reduktion im Tabak-Aerosol vorliegt. Es gilt jedoch zu bedenken, dass 90 Prozent weniger Schadstoffe nicht bedeuten, dass das Risiko am Rauchen zu erkranken um 90 Prozent reduziert ist. Die Aussage zur Reduktion von Schadstoffen gilt selbstverständlich nur für die gemessenen Substanzen. Es besteht die Gefahr, dass beim Erhitzen des chemisch bearbeiteten Tabaks möglicherweise andere Substanzen, als sie vom herkömmlichen Zigarettenrauch bekannt sind, entstehen können.

 

Nach Auffassung des CVUA Sigmaringen bringen sogenannte „risikoreduzierte Tabakerzeugnisse“ wie die Tabakerhitzer nur Vorteile, wenn der Fokus darin liegt, dass möglichst viele Zigarettenraucher auf das neue Produkt umsteigen. Wenn jedoch gleichzeitig Nichtraucher, vor allem jugendliche Nichtraucher, als neue Konsumenten gewonnen werden, wird kein gesellschaftlicher Vorteil gesehen. Genau diese möglichen Neukonsumenten werden jedoch gezielt durch die Werbebotschaften und die Vermarktungsstrategie angesprochen.

 

Der Verkauf an versteuerten Zigaretten ist in Deutschland rückläufig. Tabakkonzerne müssen neue Produkte auf den Markt bringen, um überleben zu können. Die Strategie ist clever. Rauchern wird ein Tabakprodukt angeboten das schadstoffreduziert ist, jedoch weiterhin den Raucher mit Nikotin versorgt und die Kunden von morgen werden ebenfalls gleich geködert.

 

Weiterführende Informationen finden Sie unter folgenden Links:

 

http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2018/20/wie_gefaehrlich_sind_tabakerhitzer_-204438.html

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00204-018-2215-y

 

 

 

Bericht erschienen am 02.07.2018 10:36:38