Wasserpfeifenrauchen - die Risiken werden oft unterschätzt

Jürgen Hahn, CVUA Sigmaringen

 

57 % der amtlich untersuchen Proben an Wasserpfeifentabak überschritten 2013 die gesetzlich zugelassene Höchstmenge für Feuchthaltemittel.

 

Der Boom der letzten Jahre ist ungebrochen. Shisha Bars gibt es inzwischen nicht nur in den Metropolen von Deutschland, sondern auch in ländlichen Gebieten. Die Wasserpfeife hat auch in viele Haushalte Einzug gehalten. Ca. 38 % der Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren haben bereits Shisha geraucht (1). Das Angebot an dem notwendigen Zubehör und Wasserpfeifentabak nimmt insbesondere im Internet ständig zu. Doch welche Gefahren birgt der Wasserpfeifen-Genuss?

 

Die weit verbreitete Annahme, dass der Konsum von Wasserpfeife weniger gesundheitsschädlich sei als das Rauchen von Zigaretten stimmt nicht: Wasserpfeifen stellen keine harmlose Alternative zu Zigaretten dar, es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die von Wasserpfeifenrauch ausgehende Gesundheits- und Suchtgefahr ähnlich hoch ist. Wasserpfeifen- und Zigarettenrauch enthalten nahezu die gleichen suchtgefährdenden bzw. gesundheitsschädlichen Substanzen wie Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid. Die Filterwirkung des Wassers wird stark überschätzt. Einige Schadstoffe, beispielsweise Nikotin oder Kohlenmonoxid, kommen im Wasserpfeifenrauch sogar in größeren Mengen vor als im Zigarettenrauch. Der Beitrag soll über die Gefahren aufklären.

 

Geschichte

Ursprünglich soll einem Ägypter Zuckersirup auf seine brennende Tabakpfeife getropft sein. Das aufsteigende süßliche Aroma hat den Mann dazu bewegt, den Tabak mit dem Zuckersirup bewusst zu vermischen. Soweit die Legende. Das ursprüngliche Prinzip der Shisha stammt vermutlich aus Indien. Dort soll sie aus einem in eine Kokosnuss gesteckten Bambusstock bestanden haben.

Ab dem 16. Jahrhundert gelangte die Shisha zu den Osmanen. Um die Shisha entwickelte sich eine Gemeinschaftskultur, die bis heute Bestand hat.

Die Shisha wurde in vielen arabischen Ländern ein fester Bestandteil der Kultur (2).

 

 

Wasserpfeifentabak

Wasserpfeifentabak ist eine Mischung aus Tabak, Melasse sowie Feuchthaltemitteln und ist häufig stark aromatisiert. Als Aromen werden Früchte z.B. Erdbeeren, Trauben, Banane oder Fruchtessenzen, künstliche Aromen und Sirupe zugesetzt (4). Es wird auch „nikotinfreier Wasserpfeifentabak“ ohne Tabakanteil angeboten.

 

Rechtliche Einstufung

Bei Wasserpfeifentabak handelt es sich um ein Tabakerzeugnis, das zum Rauchen bestimmt ist, im Sinne des Vorläufigen Tabakgesetzes. Es muss somit den Anforderungen des Tabakrechts genügen. Aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes ist in der Tabak-Verordnung die Höchstmenge für Feuchthaltemittel wie Glycerin und 1,2-Propandiol in der Summe auf 5 % der Trockenmasse der Erzeugnisse festgelegt (5). Untersuchungen des CVUA Sigmaringen belegen, dass die Gehalte an Feuchthaltemitteln in Wasserpfeifentabak im Vergleich zu Zigarettentabak aber deutlich höher sind. Durch den auf diese Weise erzielten höheren Feuchtigkeitsgehalt im Wasserpfeifentabak wird die Rauchentwicklung in der Wasserpfeife verbessert. Die Ware entspricht dann jedoch nicht mehr den rechtlichen Anforderungen. Außerdem sind die höheren Gehalte an Feuchthaltemitteln toxikologisch bedenklich (siehe Abschnitt „Wasserpfeifenrauch“).

 

Im Internet gibt es diverse Anleitungen, um speziellen, trockneren Tabak für den deutschen Markt nachträglich anzufeuchten. Diese Möglichkeit besteht grundsätzlich. Bei Abgabe in der Gastronomie, z.B. in einer Shisha-Bar, muss der in der Wasserpfeife verwendete Tabak aber dennoch den tabakrechtlichen Vorgaben entsprechen, d.h. es dürfen nicht mehr als 5 % Feuchthaltemittel enthalten sein. 

 

Untersuchungsergebnisse

 

 

Von den insgesamt 163 im Jahr 2013 untersuchten Proben Wasserpfeifentabak wurden 57 % wegen überhöhten Gehalten an Feuchthaltemitteln beanstandet. Damit ist die Beanstandungsquote im Vergleich zu den Vorjahren ungebrochen hoch.

 

Jahr

Gesamtprobenzahl

Zahl der Proben mit Feucht-haltemittel > 5 %

Anteil der Proben mit Feucht-haltemittel > 5 % in %

2013

163

93

57

2012

15

15

100

2011

63

38

60

2010

36

19

53

2009

49

30

61

 

Auch in anderen Bundesländern gibt es vergleichbare Ergebnisse (7).

 

Einfuhruntersuchungen

Die Importe von Wasserpfeifentabak, die den deutschen Vorschriften nicht entsprechen, nehmen stark zu. In Verdachtsfällen können die Zollämter die Ware den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Behörden vorführen und untersuchen lassen. Aufgrund der hohen Beanstandungsquoten ließen die Zollämter im letzten Jahr verstärkt Wasserpfeifentabak den für die Tabaküberwachung zuständigen Behörden vorführen. Daher kamen im Jahr 2013 insgesamt 69 entsprechende Verdachtsproben zur Untersuchung zum CVUA Sigmaringen.

 

Der Unternehmer ist im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht verpflichtet, dass das von ihm in Verkehr gebrachte Produkt den tabakrechtlichen Vorgaben entspricht. Die bisherigen Untersuchungen der importierten Produkte am CVUA Sigmaringen führten zu einer Beanstandungsquote von über 46 % im Jahr 2013. Bei begründetem Verdacht, z.B. wenn Produkte eines Importeurs in der Vergangenheit bereits auffällig waren, kann die zuständige Behörde anordnen, dass der Importeur eigene Untersuchungsergebnisse vorlegt, die die Verkehrsfähigkeit belegen. Ergänzend können stichprobenartig importierte Produkte durch eine amtliche Probenahme überprüft werden. Im Jahr 2014 werden die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg nach diesem Verfahren vorgehen, um damit die Zahl der amtlichen Einfuhruntersuchungen wieder auf ein Normalmaß zu reduzieren.

 

Risiken des Wasserpfeifenrauchs

Wasserpfeifen- und Zigarettenrauch enthalten nahezu die gleichen suchtgefährdenden bzw. gesundheitsschädlichen Substanzen wie Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid. Das Hindurchleiten des Rauches durch einen Wasserfilter und die im Vergleich zur Zigarette wesentlich geringere Temperatur im Tabak der Wasserpfeife bedeuten nicht, dass der Rauch damit arm oder gar frei von Schadstoffen ist. Die Filterwirkung des Wassers wird stark überschätzt. Einige Schadstoffe, beispielsweise Nikotin oder Kohlenmonoxid, kommen im Wasserpfeifenrauch sogar in größeren Mengen vor als im Zigarettenrauch.

 

Auch die Anwesenheit höherer Mengen an Feuchthaltemitteln wird aus toxikologischer Sicht als kritisch betrachtet. So gibt das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg an, dass Tabakfeuchthaltemittel, wie z.B. Glycerin und 1,2-Propylenglycol, Ursache der Bildung ungesättigter Aldehyde (z.B. Acrolein) und Alkylepoxide (z.B. Propylenoxid) seien (8). Acrolein gilt als hoch giftig und schleimhautreizend.

 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unterstreicht die Bedeutung der Begrenzung des Feuchthaltemittelgehalts im Wasserpfeifentabak, weil die Mittel während des Rauchens größtenteils verdampfen und in erheblichem Maße vom Raucher aufgenommen werden können. Das Einatmen hoher Konzentrationen dieser Stoffe habe aber im Tierversuch zu Veränderungen des Zellepithels im Kehlkopf bzw. zu Reizungen der Nasenschleimhaut geführt (7).

 

Ein langjähriger Wasserpfeifenkonsum kann die Lungenfunktionen verschlechtern und erhöht das Risiko, an Tumoren zu erkranken. Darüber hinaus sind Frauen, die während der Schwangerschaft Wasserpfeife rauchen, stärker gefährdet, ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht zu gebären.

 

Für die Suchtwirkung von Wasserpfeifen ist - ebenso wie bei Zigaretten - der Inhaltsstoff Nikotin im Tabak verantwortlich. Die Aufnahme hoher Nikotinmengen und die damit verbundene Suchtgefahr stellt nach heutigem Kenntnisstand eines der größten Probleme bei der Nutzung von Wasserpfeifen dar (6).

Aber auch „Wasserpfeifentabak“ ohne Tabakanteil ist keine Alternative. Dieser enthält zwar kein suchterzeugendes Nikotin, die gesundheitlichen Risiken durch toxische Rauchinhaltstoffe sind hier jedoch die gleichen.

 

Aktuelle Entwicklungen

Das CVUA Sigmaringen ist in Baden-Württemberg das Zentrallabor für Tabakuntersuchungen. Nur hier werden deutschlandweit amtliche Untersuchungen mit Hilfe einer speziellen Abrauchmaschine durchgeführt, mit der verbrauchernahes Rauchen von Wasserpfeifentabak simuliert und die toxischen Rauchinhaltsstoffe analytisch erfasst werden können.

 

 

Im Rahmen eines Projektes zwischen dem BfR und dem CVUA Sigmaringen wurden Inhaltsstoffe von Wasserpfeifentabak untersucht und bewertet (9).

 

Derzeit wird unter der Leitung des CVUA Sigmaringen eine Norm zur Bestimmung von Rauchinhaltsstoffen in Wasserpfeifenrauch entwickelt. Erste weltweite Laborvergleichsuntersuchungen sind für das Jahr 2014 geplant.

 

Bildernachweis:

Bild (1) http://commons.wikimedia.org/wiki/File:View_of_Constantinople_by_Pascal_-S%C3%A9bah_%281905%29.png

Bild (2) Schema einer Wasserpfeife aus Literatur (3), Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention, 2008 (eigene Beschriftung)

Bild (3) Eigenes Bild, CVUA Sigmaringen

Bild (4) Eigenes Bild, CVUA Sigmaringen

Bild (5) Eigenes Bild, CVUA Sigmaringen 

 

Literatur:

(1) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2007) Förderung des Nichtrauchens bei Jugendlichen. Eine Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln. Kurzbericht. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln (www.ginko-stiftung.de/download/Foerderung_Nichtrauchen_2007.pdf)

 

(2) www.shisha-tabak.info/wasserpfeifen/shisha-tabak-geschichte.htm

 

(3) Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg): Wasserpfeife - die süße Versuchung Heidelberg, 2008 (www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/FzR/FzR_Wasserpfeife.pdf)

 

(4) Vorläufiges Tabakgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 09. September 1997 (BGBl. I S. 2296) zuletzt geändert am 22. Mai 2013 (BGBl. I S. 1318).

 

(5) Tabakverordnung über Tabakerzeugnisse vom 20. Dezember 1977 (BGBI. I S. 2831), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verordnung vom 19. Juni 2013 (BGBl. I S. 1612).

 

(6) Aktualisierte Fragen und Antworten zu Wasserpfeifentabak vom 17. Oktober 2011, Bundesinstitut für Risikobewertung (http://www.bfr.bund.de/de/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_wasserpfeifen-8953.html)

 

(7) CVUA MEL: Hohe Beanstandungen bei Shisha Tabak, Bericht vom 30. April 2014 (www.cvua-mel.de/aktuelles/150-hohe-beanstandungen-bei-shisha-tabak.html)

LGL Bayern: Wasserpfeifentabak Untersuchungsergebnisse 2012, Bericht vom 16.10.2013 (www.lgl.bayern.de/produkte/tabak/tabakerzeugnisse/ue_2012_wasserpfeifentabak.htm)

 

(8) Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg): Erhöhte Gesundheitsgefährdung durch Zusatzstoffe in Tabakerzeugnissen - Konsequenzen für die Produktregulation (www.dkfz.de/de/rauchertelefon/download/Factsheet_Zusatzstoffe.pdf)

 

(9) Mainstream Smoke of waterpipe: Does this environmental matrix reveal as significant source of toxic compounds?, Toxicology Letters, 2011 (https://fragdenstaat.de/files/foi/1820/Schubert%20J%20Toxicology%20Letters.pdf)

 

Derzeit wird unter der Leitung des CVUA Sigmaringen eine Norm zur Bestimmung von Rauchinhaltsstoffen in Wasserpfeifenrauch entwickelt. Erste weltweite Laborvergleichsuntersuchungen sind für das Jahr 2014 geplant.

 

 

 

 

Bericht erschienen am 31.07.2014 07:54:34